Zurück in die Zukunft: regenerative Landwirtschaft

Ein Boden, der nicht nur ein ertragreiches Pflanzenwachstum ermöglichen soll, sondern auch seine natürliche Funktion als Kohlenstoffspeicher, als Wasserfilter und -speicher und als Lebensraum für unzählige Kleinstlebewesen und Mikroorganismen erfüllen soll, der Boden muss im wesentlichen in 3 Disziplinen vollkommen intakt und funktionsfähig sein : chemisch, physikalisch und biologisch !!
Ausgebildet nach dem neuesten Stand der Wissenschaft - die sich im wesentlichen spezialisiert in genau diese 3 Fachgebiete aufgliedert, ohne die Synthese, den Blick für das Große Ganze zu vermitteln - fand ich mich bald vor genau dieser Aufgabe, die Synthese des Gelernten auf dem eigenen Hof umzusetzen.
Seit 2005 lassen wir die Böden unserer Felder zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen in Deutschland auch noch regelmässig in einem Labor in den USA nach einer anderen Untersuchungsmethode auf zusätzliche chemische Elemente und deren Relation zueinander untersuchen. Mit diesen Ergebnissen optimieren wir die Düngung nicht mehr nur auf die für ein maximales Pflanzenwachstum notwendige Bodenchemie, sondern optimieren gleichzeitig die Bodenphysik und bauen das Haus, in dem die Bodenbiologie leben kann !
Seit 2007 haben wir unsere Bewirtschaftung auf Direktsaat umgestellt, mit dem Ziel, dass das Bodengefüge und damit auch seine -physik und -biologie in seiner natürlichen und damit hoffentlich optimalen Ordnung erhalten bleibt und nicht durch Pflügen oder tiefe pfluglose Bodenbearbeitung immer wieder zerstört wird.
Seitdem haben wir viele Erfolge und genauso viele Mißerfolge erlebt, aus denen wir viel gelernt haben - denn erst die Direktsaat macht vieles sichtbar, was durch den Pflug regelrecht "verwischt" wird. Irgendetwas fehlte noch, das die Direktsaat zu unsicher, zu fragil macht im Vergleich zu einem natürlichen Ökosystem. Es konnte eigentlich nur die Biologie sein, um deren Wichtigkeit wir wussten, auf deren Förderung oder Optimierung wir aber nur hoffen konnten als Folge der Optimierung der Chemie und Physik. Wir sahen kein Werkzeug zur aktiven Beeinflussung der Biologie. Jahrhunderte der Bewirtschaftung der Felder auf unserem Hof haben im Vergleich zu einem Naturboden den Humusgehalt gesenkt und die Hügel zu lehmigen Kuppen erodieren lassen. Über diese Jahrhunderte hat eine nur flache und seltene Bodenbearbeitung zusammen mit einer vielfältigen Fruchtfolge und mit viel Gras und Weidetieren auf dem Hof, den Prozeß der Degradierung verlangsamt oder sogar kompensiert. Mit dem Siegeszug der chemischen Pflanzenschutz- und Düngemittel und der immer größeren Schlepper wurde die Bodenbearbeitung intensiviert und der Anbau und die Tierhaltung auf dem Hof immer monotoner. Als letzte große Veränderung in diesem Zuge gingen 1977 die Kühe vom Hof und damit die letzten Weidetiere, so dass sich die Tierhaltung auf Schweine im Stall und der Pflanzenanbau auf die 3 Früchte Raps, Weizen und Gerste verengte. Bei nüchterner Betrachtung der Situation war klar, dass die Erträge noch nie so hoch waren wie in diesem System, erkauft mit einem Einsatz an Pflanzenschutz- und Düngemittel, der auch noch nie so hoch war - das konnte jedoch nicht das Gefühl und die Beobachtung verdrängen, dass die Böden immer "schwieriger" wurden und immer neue Probleme mit Unkräutern und Krankheiten auftraten. Eine Situation also, die wir als nicht gut genug empfanden, um sie z.B. mit mehr Nachhaltigkeit oder konservierender Bodenbearbeitung zu erhalten. Eine nachhaltige Landwirtschaft, die nur erhält, was da ist, wäre nicht genug - wir wollen mit einer regenerativen Landwirtschaft wieder aufbauen, wollen unseren Kindern Felder hinterlassen, die mehr Humus und mehr Bodenleben haben als wir es vorgefunden haben. Die Direktsaat in Verbindung mit einer intensiven Beschäftigung mit dem Boden hat uns dabei zu der Überzeugung verholfen, dass sich an diesem Punkt der Kreis wieder schließen muss und wir uns auf einen Weg "zurück in die Zukunft" machen wollen: mit dem Anbau von Gras zur Samenvermehrung holen wir das Gras als jetzt 6. Fruchtfolgeglied zurück auf unseren Hof und bauen parallel dazu eine Schafherde auf, um auch wieder Weidetiere zurück auf den Hof zu holen, die nicht nur das Gras, sondern auch Zwischenfrüchte verwerten und über die Wiederkäuer-Verdauung in biologisch wertvollen Dünger direkt auf dem Feld umwandeln.